Die ewige Geschichte

19. Oktober 2014 – 25. Januar 2015
Der in der ehemaligen DDR geboren Künstler Klaus Süß ist bekannt für seine Farbholzschnitte und aquarellierten Federzeichnungen.

Klaus Süß, 1951 in Crottendorf/Erzgebirge in der ehemaligen DDR geboren, wurde der Lebensweg eines Künstlers nicht in die Wiege gelegt. Obwohl schon früh sein zeichnerisches Talent aufblitzte, erlernte er zunächst ein Handwerk, wurde dann Ingenieur und war verantwortlich für die Belüftung der Uranbergwerke der Wismut in Aue. Süß fand aber Wege, an die in seiner Vita nicht vorgesehene Kunst dichter heranzurücken: Er wurde ‚Kulturmanager’ der Fritz-Heckert-Maschinen-Fabrik in Karl-Marx-Stadt (heute wieder Chemnitz) und organisierte u.a. abendliche Mal- und Zeichenkurse für die Werksangehörigen. Die Dozenten dafür suchte er in der unabhängigen, weil akademiefernen Karl-Marx-Städter Künstlerszene – und war selbst einer der eifrigsten Studierenden dieser von ihm organisierten Kurse. Die Freiheit der Kunst stand nicht auf der Fahne der DDR und schon gar nicht die Freiheit, Künstler zu sein – das konnte nur werden, wer die Weihen der etablierten Künstler empfing und in den Künstlerverband aufgenommen wurde – eine weitere, von Süß gemeisterte Hürde. Ab 1987 konnte er als freischaffender Künstler leben (das Gegenstück war für die SED der strafbewehrte Vagabundenstatus).

Die Veränderungen von 1989 eröffneten Klaus Süß, der schon vorher u.a. in Bonn ausgestellt hatte, vor allem die Möglichkeit, dorthin zu reisen, wo ihn Landschaft und Kultur besonders reizten: in das südliche Afrika und auf die Atlantikinseln vor Afrika. Die westdeutsche Kunstszene eroberte er im Sturm, nahm bald an der art cologne, der art multiple Düsseldorf und bis heute an der art Karlsruhe teil, hatte und hat Ausstellungen in allen Teilen des Landes. Der Verlag Faber & Faber eröffnete mit Süß’ originalgrafischen Illustrationen seine legendäre Reihe der Grafischen Bücher - der Brecht`sche Baal ist inzwischen ein Mythos. Für die Büchergilde illustrierte er Prosper Mérimées Novelle Carmen, die bis dato als Vorlage für Bizets Oper, für Ballett und Film eher unbeachtet geblieben ist.

Die Reihe der Innovationen und Eigenheiten im Süß’schen Werk ist groß. Trotz seiner dem expressiven Holzschnitt verpflichteten Bildsprache ist der Künstler nie stehengeblieben. Der Drang, sich immer in Neuem zu probieren, hat sicher auch seine Ursache in der ungewöhnlichen Karriere, deren nicht vorgezeichnete Wege die Freiheit des Nicht-Festgelegt-Seins bieten. So war Süß, wenn nicht gar der erste, so mindestens einer der ersten Künstler, der Druckstöcke seiner in der Technik der verlorenen Form entstandenen Holzschnitte bemalte und als eigenständige Bilder in die Welt entließ - ein inzwischen weit verbreitetes Verfahren. Unbeirrt von Moden hält er auch wie kein anderer am Prinzip der Grafischen Mappe fest: Zu einem Thema entstehen fünf bis sieben Holzschnitte, die eine Geschichte erzählen bzw. einen Sachverhalt aus mehreren Perspektiven beleuchten.

Zum Werkschwerpunkt des Farbholzschnittes ist in den letzten Jahren zunehmend die aquarellierte Federzeichnung getreten, die ihm das Ausleben seines formidablen Farbempfindens erlaubt. Zu den originalgrafisch gedruckten Büchern sind in dieser neuen Technik die Unikatbücher gekommen. Nun hat der Büchergilde artclub in seiner Reihe der Gutenberg Pressendrucke erstmals ein komplett durchaquarelliertes Buch in Serie aufgelegt:
Hans Christian Andersens Märchen von des Kaiser`s neuen Kleidern kennt wohl jeder – die Figur des nackten Kaiser ist sprichwörtlich geworden. Es ist 1837 in Dänemark erschienen, bezieht sich aber wohl auf eine Novelle aus dem Spanischen, die schon 1335 (!) geschrieben wurde. Und doch ist der Stoff so brandaktuell, als sei die Geschichte gerade erst als Parabel auf Banken mit ihren „Finanzprodukten“, auf Marketing für “Lifestyle-Accessoires“ oder die „Stars“ von Castingshows beidseits der Bühnenrampe entstanden. Der richtige Zeitpunkt, eine besonders edle Ausgabe des Textes zu verlegen: Von Feder-/Kohlezeichnungen wurden Klischees gefertigt, die Klaus Süß einzeln von Hand aquarellierte. Jedes Buch ist ein Unikat. Außerdem gibt es den Ur-Kaiser, ein Künstlerbuch, das als Konzept vor der Arbeit an der Auflage entstand - es ist anders und einmalig.


Öffnungszeiten

Mittwoch und Sonntag:
11:00 - 17:00 Uhr
und nach telefonischer Absprache unter 07139/3924

Geschlossen:
Heiligabend, 24. Dezember 2014 und
Silvester, 31. Dezember 2014

Eintrittspreise

4,00 €
Ermäßigt 2,00 €

Schirmherr(en)

Reinhold Gall (MdL)
Innenminister des Landes Baden-Württemberg

Förderer & Partner

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